Schlagwort-Archive: Gedichtinterpretation

Schritt für Schritt zur Gedichtinterpretation

Seit Wochen bereite ich meinen Nachhilfeschüler auf seine Klausur über die Gedichtinterpretation vor. Das ist bei einem leicht unmotivierten jungen Teenager, der eher an Technik interessiert ist, nicht so leicht. Aber mit der Zeit hat er gute Fortschritte gemacht. Fiel es ihm anfangs schwer, sich überhaupt in einem Gedicht zurecht zu finden, kann er nun nahezu fehlerfrei Aufbau, Reim und rhetorische Stilmittel unterscheiden und beherrscht die benötigten Fachtermini.

In der Schule lernt er zwar die einzelnen Begriffe, notiert sich aber wenig, sodass er keine vollständige Liste der zu lernenden Themen hat. Diese habe ich mit ihm gemeinsam erstellt. Durch die Unterrichtsmaterialien, die seine Lehrerin mitgab, wurde mir klar, dass die Klasse kein Metrum analysiert und rhythmische Stilmittel sowie rhetorische Figuren gemeinsam als „Stilmittel“ beschreibt. Allerdings werden wiederum Termini wie Ellipsen und Enjambements einzeln betrachtet.

Um ihn in diesem Wust an Informationen auf sichere Beine zu stellen, habe ich eine To-Do-Liste für die Gedichtinterpretation erstellt. Diese sieht im Groben so aus:

I Vor dem Schreiben

  • Lies das Gedicht vollständig durch (am besten 2 Mal).
  • Schreibe alle Eindrücke und Einfälle zu dem Gedicht auf. (Wie wirkt das Gedicht auf dich? Worum geht es? Kannst du bereits rhetorische Figuren oder rhythmische Stilmittel erkennen?)
  • Notiere dir die Rahmeninformationen zum Gedicht.
  • a. Autor
    b. Titel
    c. Entstehungsort und –zeit
    d. Handlung und Thematik (Wenn dir nicht sofort einfällt, was das Kernthema ist, mache erst mal weiter und notiere es später.)

  • Notiere alles zum Aufbau des Gedichtes.
  • Notiere die rhythmischen Stilmittel mit Strophen- und Versangabe.
  • a. Enjambements
    b. Ellipsen
    c. Inversionen
    c. Parallelismen
    c. Anaphern

  • Notiere die rhetorischen Figuren mit Strophen- und Versangabe und deute diese.
  • a. Metaphern
    b. Metonymien
    c. Personifikationen
    c. Symbole

    II Die Gedichtinterpretation schreiben

  • Notiere dir, in welcher Reihenfolge du die oben genannten Argumente schreiben möchtest.
  • Schreibe nun deine Gedichtinterpretation in:
  • A Einleitung

    B Hauptteil

      1. Aufbau
      2. rhythmische Stilmittel (diese bleiben laut Lehrerin ohne Deutung)
      3. rhetorische Stilmittel (diese werden Laut Lehrerin gedeutet)

    C Schluss
    1. Zusammenfassung und eigene Interpretation
    2. Eigene Erfahrungen

    Als letzten Punkt habe ich mit ihm eine Liste seiner üblichen Fehler erstellt. Mit dieser soll es ihm leichter fallen, Texte schneller und sicherer zu korrigieren.

    Diese Liste ist eine meiner vier Maßnahmen, um meinen Schüler in seinen Problemfeldern Grammatik, Rechtschreibung und Interpunktion zu trainieren. Diese Probleme gehe ich daneben an diesen drei Fronten an.

    1. Für die Fehler, die er üblicherweise macht, erhält er von mir Regeln, Merksätze und Beispiele.
    2. Zu diesen Regeln entwerfe ich Übungsaufgaben, die er entweder zu Hause oder in unserer Unterrichtsstunde erledigt.
    3. Speziell für die Gedichtinterpretation, in der ja immer wieder die gleichen Phänomene analysiert werden, habe ich mit ihm formelhafte Formulierungen erstellt. Dadurch muss er sich nicht immer neue Sätze ausdenken und ist stilistisch und grammatikalisch auf der sicheren Seite.
    %d Bloggern gefällt das: