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Anrechnungen bereits erbrachter Studienleistungen

Endlich! Seit Montag sind die Bewerbungsportale der Universitäten online und meine ersten Bewerbungen unterwegs zur alma mater.

Universitäten, bei denen ich mich bewerbe:
Universität Heidelberg
Goethe-Universität Frankfurt
Justus-Liebig-Universität Giessen
Phillips-Universität Marburg

Dass eine Universtität – zumindest gefühlt – aus 80 Prozent Bürokratie besteht, ist wohl jedem Studenten bewusst. Die Wucht dieser Bürokratie-Monster bekommt man allerdings zu spüren, wenn man mit einem „ungewöhnlichen“ Lebenslauf starten möchte. Ein Studium ist darauf ausgelegt, Abiturienten aufzunehmen. Deshalb arbeiten sie mit numeri clausi, starten im Wintersemester und haben einen Berater für Erstis, der ihnen erklärt, wie das Uni-Leben so funktioniert.

Nun habe ich aber ein abgeschlossenes Studium und ein wenig Berufserfahrung – und alle verlieren den Verstand. Die Anrechnung der Studienleistungen und die Bewerbung für ein Lehramtstudium hat sich als bürokratischer Marathon herausgestellt, den ich nun beinahe überall abgeschlossen habe. Meine Ergebnisse teile ich gerne mit euch.

Grundlegendes zur Bewerbung

Prinzipiell kann man sich für ein Lehramtstudium nur bewerben, in dem man sich für die beiden gewünschten Unterrichtsfächer bewirbt. Ergo: Ihr bewerbt euch für den Studiengang „Lehramt an Gymnasien“ in den Fächern „X“ und „Y“ – in meinem Fall Deutsch und Englisch. Nur wer in beiden Fächern angenommen wird, erhält einen Studienplatz.

Bei allen oben aufgeführten Universitäten könnt ihr euch online bewerben.
Portal der Universität Heidelberg
Portal der Universität Frankfurt
Portal der Universität Giessen
Portal der Universität Marburg

Anrechnung von bereits erbrachten Studienleistungen

Bereits erbrachte Studienleistungen an anderen Universitäten oder in anderen Studiengängen können angerechnet werden. Mit einem abgeschlossenen Bachelor of Arts in Germanistik und Soziologie kann ich mir also Leistungen im Fach Deutsch und den soziologischen Nebenfächern anerkennen lassen.

Das Ergebnis: Im Fach Deutsch gelte ich als Studentin des vierten oder fünften Fachsemesters, je nach Universität. Ich muss also einige Veranstaltungen nicht mehr belegen. Dadurch komme ich schneller durchs Studium, da ich mehr Kurse pro Semester in Englisch und in der Fachdidaktik belegen kann.

Schritt für Schritt zur Anrechnung

Bis es zu dieser Anrechnung kommt ist es allerdings ein langer Weg, zumindest wenn man die richtigen Pfade nicht kennt. Hier also der Guide für die Studienanrechnung:

Universität Heidelberg:
Schritt 1: Findet euren Fachstudienberater. Fragt dafür beim Institut direkt nach, nicht beim Zentrum für Lehrerbildung.
Für Deutsch (Germanistisches Seminar): Priv.-Doz. Dr. Thordis Hennings (Zuständig für Mediävistik)

Schritt 2: Bringt eure Leistungsnachweise zur Facdhstudienberatung. Am besten eine Auflistung aller Kurse, wie ein Transcript of Records.

Schritt 3: Jedes Fach hat mehrere Fachbereiche. Die einzelnen Fachbereichsleiter sind für die Anrechnung zuständig.

In Deutsch:
Dr. Hennings erstellt die grobe Übersicht über die Leistungen, die angerechnet werden könnten. Sie rechnet alle Kurse für den Fachbereich Mediävistik an. Für die Anrechnungen in den anderen beiden Fachbereichen, Neuere deutsche Literaturwissenschaft (NDL) und neuere Sprachwissenschaft (neue Sprache), sind die beiden Fachbereichsleiter zuständig.

Ansprechpartner für NDL: Dr. Marcel Krings (Geschäftsführer)
Ansprechpartner für neue Sprache: Prof. Dr. Klaus-Peter Konerding

Wenn ihr alle Anrechnungen beisammen habt, bringt ihr die Formulare zurück zu Dr. Hennings. Sie stuft euch dann auf einem Formular in das entsprechende Semester ein. Das Formular lasst ihr beim Studierendensekretariat des Germanistischen Seminars – et voilà, ihr seid hochgestuft.

Justus-Liebig-Universität Giessen:
Schritt 1: Findet den Fachstudienberater. In der Regel kennt diesen das Institut oder das Landesschulamt.
Für das Fach Deutsch: Prof. Dr. Anja Voeste

Schritt 2: Siehe Universität Heidelberg. In Giessen ist es problemlos möglich, die Unterlagen per E-Mail zu senden. Fragt dazu bei eurem Berater nach.

Schritt 3: Lasst euch die Leistungen anrechnen. Ihr erhaltet ein unterzeichnetes Formular, mit dem ihr euch bewerben könnt.
Hinweis: Da ich noch keine Nachricht aus Giessen erhalten habe, kann ich noch nicht sagen, ob weitere Schritte notwendig sind. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Phillips-Universität Marburg:
Vorab: Marburg ist für mich bislang die Universität mit dem höchsten bürokratischen Aufwand.

Schritt 1: Holt euch persönlich den Antrag zur Anrechnung sowie das Anrechnungsformular beim Landesschulamt ab.
Hinweis: Sucht gar nicht es ist nicht online. Verbindet den Gang zum Schulamt am besten gleich mit dem Besuch beim Fachstudienberater.

Schritt 2: Sucht euch euren zuständigen Fachstudienberater. Fragt direkt beim Institut, das Zentrum für Lehrerbildung wird euch nicht weiterhelfen.
Für das Fach Deutsch: Dr. Anna Wolanska

Schritt 3: Vereinbart einen Termin. Bei den meisten Beratern in Marburg könnt ihr einen Termin in der Sprechstunde vereinbaren.

Schritt 4: Siehe Universität Heidelberg. Bringt zudem das Formular mit, das ihr beim Landesschulamt abgeholt habt.

Schritt 5: Lasst euch die Leistungen anrechnen. In der Regel müsst ihr keine weiteren Fachstudienberater konsultieren.

Schritt 6: Bringt eure Anrechnung zum Landesschulamt gemeinsam mit dem ausgefüllten Antrag auf Anrechnung, eurem letzten Stammdatenblatt (Transcript of Records), eventuell weitere Modulprüfungsbescheide.

Schritt 7: Ihr erhaltet vom Landesschulamt einen Einstufungsbescheid, den ihr beim Studierendensekretariat der Universität Marburg vorlegt. Dafür erhaltet ihr einen Anrechnungbescheid.

Schritt 8: Legt den Anrechnungsbescheid beim zentralen Prüfungsamt der Universität Marburg vor.

Schritt 9: Ihr seid hochgestuft, gönnt euch ein kühles Blondes oder was auch immer.

Goethe-Universität Frankfurt:
Schritt 1: Sprecht mit dem Landesschulamt. Der Fachberater des Schulamtes kann für euch die Anrechnung machen. Allerdings – wie Ämter so sind – war dieser schwer zu greifen und hatte sich über Pfingsten zwei Wochen in den Urlaub gesetzt. Wohl verdienst’s aber daher habe ich noch keine weiteren Infos für euch. Ich halte euch auf dem Laufenden.
Ansprechpartner: Markus Brößler

Schritt 2: Mit der Anrechnung könnt ihr euch bei der Universität bewerben.

Das war’s

Ich hoffe, dass euch die Schritt-für-Schritt-Anweisung bei euren Bewerbungen weiterhelfen. Ich wünsche allen Bewerberinnen und Bewerbern viel Erfolg und bis dahin,

cheerio 🙂

Schritt für Schritt zur Gedichtinterpretation

Seit Wochen bereite ich meinen Nachhilfeschüler auf seine Klausur über die Gedichtinterpretation vor. Das ist bei einem leicht unmotivierten jungen Teenager, der eher an Technik interessiert ist, nicht so leicht. Aber mit der Zeit hat er gute Fortschritte gemacht. Fiel es ihm anfangs schwer, sich überhaupt in einem Gedicht zurecht zu finden, kann er nun nahezu fehlerfrei Aufbau, Reim und rhetorische Stilmittel unterscheiden und beherrscht die benötigten Fachtermini.

In der Schule lernt er zwar die einzelnen Begriffe, notiert sich aber wenig, sodass er keine vollständige Liste der zu lernenden Themen hat. Diese habe ich mit ihm gemeinsam erstellt. Durch die Unterrichtsmaterialien, die seine Lehrerin mitgab, wurde mir klar, dass die Klasse kein Metrum analysiert und rhythmische Stilmittel sowie rhetorische Figuren gemeinsam als „Stilmittel“ beschreibt. Allerdings werden wiederum Termini wie Ellipsen und Enjambements einzeln betrachtet.

Um ihn in diesem Wust an Informationen auf sichere Beine zu stellen, habe ich eine To-Do-Liste für die Gedichtinterpretation erstellt. Diese sieht im Groben so aus:

I Vor dem Schreiben

  • Lies das Gedicht vollständig durch (am besten 2 Mal).
  • Schreibe alle Eindrücke und Einfälle zu dem Gedicht auf. (Wie wirkt das Gedicht auf dich? Worum geht es? Kannst du bereits rhetorische Figuren oder rhythmische Stilmittel erkennen?)
  • Notiere dir die Rahmeninformationen zum Gedicht.
  • a. Autor
    b. Titel
    c. Entstehungsort und –zeit
    d. Handlung und Thematik (Wenn dir nicht sofort einfällt, was das Kernthema ist, mache erst mal weiter und notiere es später.)

  • Notiere alles zum Aufbau des Gedichtes.
  • Notiere die rhythmischen Stilmittel mit Strophen- und Versangabe.
  • a. Enjambements
    b. Ellipsen
    c. Inversionen
    c. Parallelismen
    c. Anaphern

  • Notiere die rhetorischen Figuren mit Strophen- und Versangabe und deute diese.
  • a. Metaphern
    b. Metonymien
    c. Personifikationen
    c. Symbole

    II Die Gedichtinterpretation schreiben

  • Notiere dir, in welcher Reihenfolge du die oben genannten Argumente schreiben möchtest.
  • Schreibe nun deine Gedichtinterpretation in:
  • A Einleitung

    B Hauptteil

      1. Aufbau
      2. rhythmische Stilmittel (diese bleiben laut Lehrerin ohne Deutung)
      3. rhetorische Stilmittel (diese werden Laut Lehrerin gedeutet)

    C Schluss
    1. Zusammenfassung und eigene Interpretation
    2. Eigene Erfahrungen

    Als letzten Punkt habe ich mit ihm eine Liste seiner üblichen Fehler erstellt. Mit dieser soll es ihm leichter fallen, Texte schneller und sicherer zu korrigieren.

    Diese Liste ist eine meiner vier Maßnahmen, um meinen Schüler in seinen Problemfeldern Grammatik, Rechtschreibung und Interpunktion zu trainieren. Diese Probleme gehe ich daneben an diesen drei Fronten an.

    1. Für die Fehler, die er üblicherweise macht, erhält er von mir Regeln, Merksätze und Beispiele.
    2. Zu diesen Regeln entwerfe ich Übungsaufgaben, die er entweder zu Hause oder in unserer Unterrichtsstunde erledigt.
    3. Speziell für die Gedichtinterpretation, in der ja immer wieder die gleichen Phänomene analysiert werden, habe ich mit ihm formelhafte Formulierungen erstellt. Dadurch muss er sich nicht immer neue Sätze ausdenken und ist stilistisch und grammatikalisch auf der sicheren Seite.

    Die Subjekt-Frage

    Es ist schon etwas länger her, da fragte mich mein Freund, ob ich ihm nicht „diese Subjekt-Prädikat-Objekt-Geschichte“ erklären könne. Klar, gerne! – bin ich doch professionelle Sprach-Klugscheisserin. 😉

    Also gab ich ein kleines Beispiel.

    „Pass auf! Wir nehmen den Satz ‚Ich esse Pizza‘. Das Subjekt des Satzes ist das, WAS handelt, das Prädikat ist das Verb, also die HANDLUNG, und das Objekt ist letztlich das, AN DEM gehandelt wird.“

    Ein verstehendes Nicken, also fuhr ich fort: „Was ist nun also das Prädikat des Satzes?“

    Es folgten große Dackelaugen und die Antwort „Pizza?“. Nun, ich kann nicht bestreiten, dass wir danach leckere Pizza geholt haben. Dennoch fällt vielen Schülern die Satzgliedbestimmung schwer. Dabei ist sie – vom Grundgedanken her – eigentlich einfach.


    Die Satzglieder
     

    Jeder Satz besteht aus einzelnen Bausteinen, den Satzgliedern. Dabei werden drei grundlegende Satzglieder unterschieden.

    Subjekt: Wer oder was handelt?

    Objekt: An wem oder woran wird gehandelt, was ist das Ergebnis?

    Prädikat: Welche Handlung wird vollzogen? Was geschieht? Das Prädikat ist in der Regel das Verb des Satzes.
     

    Jeder Satz in der deutschen Sprache besteht mindestens aus einem Subjekt und einem Prädikat.
    „Ich esse.“

    Meistens wird aber ein Objekt hinzugefügt.
    „Ich esse eine Pizza.“

    Damit ist die übliche Reihenfolge der Satzglieder in einem Hauptsatz: Subjekt, Prädikat, Objekt (SPO).
     

    Zusätzlich können die Satzteile mit Attributen näher beschrieben werden. „Ich esse eine Pizza, die mit Salami und Schinken belegt ist.“

    Das Attribut beschreibt das Subjekt oder Objekt. Dies kann eine Erläuterung durch eine Präposition (Das Buch über den jungen Goethe) oder gar ein Nebensatz (Der Mann, dessen Name mir entfallen ist) sein. Verändert man die Satzstellung kann das Attribut nicht vom zugehörigen Subjekt oder Objekt getrennt werden.


    Ein Beispiel
     

    Ohne meinen morgendlichen Kaffee, den ich am liebsten schwarz trinke, bin ich zu nichts zu gebrauchen.


    Subjekt: Wer ist ohne den morgendlichen Kaffee nicht zu gebrauchen? – Ich

    Objekt: Ohne Was bin ich zu nichts zu gebrauchen? – meinen morgendlichen Kaffee

    Prädikat: Was passiert ohne meinen morgendlichen Kaffee? – ich bin zu nichts zu gebrauchen

    Attribut: Wie ist mein morgendlicher Kaffee, ohne den ich zu nichts zu gebrauchen bin näher bestimmt? – ich trinke ihn am liebsten schwarz. Auch wenn die Satzstellung verändert wird, bleibt das Attribut beim Objekt. „Ich bin ohne meinen morgendlichen Kaffee, den ich am liebsten schwarz trinke, zu nichts zu gebrauchen.
     

    Nun gibt es viele Variationen der Satzstellung und der Satzglieder. Die Grundform bleibt jedoch immer gleich.


    Satzglieder vs. Wortart
     

    Viele Schüler verwechseln zudem Satzglied mit Wortart. Dabei gilt: Satzglieder bestehen aus einem oder mehreren Worten. Daher sind Wortarten und Satzglieder so verschieden wie ein Ziegel und das damit entstehende Haus.


    Auch dazu gebe ich gerne ein Beispiel:

    Wir bauen ein Haus.


    Subjekt: Wir bauen ein Haus.
    Das Subjekt besteht aus einem Pronomen, nämlich „wir“.

    Objekt: Wir bauen ein Haus.
    Das Objekt besteht aus einem unbestimmten Artikel und einem Substantiv, nämlich „ein Haus“.

    Prädikat: Wir bauen ein Haus.
    Das Prädikat besteht aus einem Verb, nämlich „bauen“.


    Ich freue mich, wenn ihr die Subjekt-Prädikat-Objekt-Beziehung nun ein bisschen besser versteht. Bei Fragen, Anregungen oder Anmerkungen, freue ich mich auf eure Kommentare.

    Bis dahin,

    cheerio 🙂

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