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Fragen zum Schulpraxissemester

Ich wurde von vielen Seiten schon gefragt, wie das Schulpraxissemester so war, warum ich es an einer beruflichen Schule absolviert habe, wie schnell ich einen Platz bekommen habe und so weiter. Deshalb möchte ich hier einige dieser Fragen beantworten. 🙂

Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren?

Es klingt immer so schön einfach: „Dann bewerbt ihr euch für das Schulpraxissemester. Einfach ein halbes Jahr vorher auf die offizielle Webseite gehen, eine Schule anklicken und fertig.“ So in etwa hatte ich es mir zusammengelesen. Die Sache hat allerdings einen Haken: Ihr dürft euch nur bei einer Schule bewerben und warten, ob ihr angenommen oder abgelehnt werdet. Erst wenn ihr die Nachricht bekommt, dass ihr abgelehnt wurdet, dürft ihr euch weiterbewerben. *mist*

Die Mathematiker, Physiker, Musiker und co. unter uns haben es da leicht. Allerdings wird es bei Nicht-Mangelfächern wie Deutsch/Englisch zu einem Problem. Zwar habe ich angegeben, dass ich auch Latein dazunehmen möchte. Da ich es aber noch nicht als Erweiterungsfach belegt hatte, sondern erst im Semester darauf beginnen wollte, hat das niemanden geschert. 🙂

Die Bewerbung bietet allerdings, finde ich, schon mal einen guten Einblick in die späteren Berufschancen. Ich hatte mich bei etwa 10 verschiedenen Schulen beworben, bis ich dann endlich genommen wurde. Es kommt also viel auf eure Fächerkombination und euer Durchhaltevermögen an 🙂 Meine erste Bewerbung an eine berufliche Schule wurde sofort akzeptiert. Das entspricht auch später den Einstellungschancen. An beruflichen Schulen herrscht tatsächlich Lehrermangel im allgemeinbildenden Bereich.

Warum berufliche Schule?

Ich wurde während des Semester oft gefragt, ob ich mir die berufliche Schule für das Schulpraxissemester bewusst ausgesucht hatte, oder einfach nirgendwo anders genommen wurde. Die (eigentlich nicht so) traurige Wahrheit ist, dass ich tatsächlich nichts anderes gefunden hatte. Das hatte ich das bereits erwartet.

Als ich angenommen wurde, war ich erst skeptisch. Berufliche Schule bedeutete für mich Azubis (noch dazu aus Bereichen wie Elektrotechnik, IT und Mechatronik), unmotivierte Schüler im spätpubertierenden Alter und Fachwissen, das ich nicht liefern kann. Mann, lag ich falsch. Ich war nach diesem Semester so von der Vielfalt der Schüler aber auch der Themen eingenommen, dass ich für mich entschieden habe: Ich will Lehrerin an der beruflichen Schule werden!

Zuerst ist es wichtig zu wissen, dass berufliche Schule und Berufsschule zwei Paar Schuhe sind. Die Berufsschule ist lediglich eine Schulform, die an beruflichen Schulen angeboten wird. Daneben gibt es

  • 2-jähriges Berufskolleg
    2 Jahre Vollzeitunterricht für die Fachhochschulreife
  • 3-jähriges Berufskolleg
    Zusätzlicher Unterricht neben der Ausbildung, um mit Ausbildung und Fachholschulreife abzuschließen *hart*
  • Berufsfachschule
    1-2 Jahre Vollzeitunterricht mit Praxisphasen für die mittlere Reife
  • Berufsvorbereitendes Jahr (BVJ)
    Schüler, die sonst weniger Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben, können in einem Jahr ihre Chancen steigern. Meist senden Ausbildungsbetriebe ihre potentiellen Azubis als eine Art Test in ein BVJ
  • Vorqualifizierung Arbeit/Beruf (VAB)
    Das VAB ist dem BVJ sehr ähnlich, allerdings werden hier vorrangig Schüler gänzlich ohne Abschluss aufgenommen. Die SuS können neben der Berufsqualifizierung auch einen Abschluss erwerben, der dem Hauptschulabschluss gleichgestellt ist.
  • Meisterschule
    Erklärt sich von selbst.
  • Weiterbildungskurse
    dito 🙂
  • Das bedeutet, ich hatte mit sehr vielen unterschiedlichen Arten von Schülern zu tun. Heterogenität ist ein prägendes Merkmal der beruflichen Schule. Damit meine ich nicht nur die Heterogenität der unterschiedlichen Schulformen. Ich meine, dass ich sehr starke Schüler und sehr leistungsschwache Schüler in einer Klasse hatte.

    Nun werden viele denken: Das ist doch immer so. Allerdings geht es dabei nicht um diejenigen, die in Klasse fünf weniger aufgepasst haben als die anderen. Es geht um Lebensläufe, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In einer Klasse hatte ich beispielsweise Schüler sitzen, die keinen gerade Satz in Deutsch – geschweige denn in Englisch – sprechen konnten, und gleichzeitig solche, mit denen ich mich in Englisch nahezu auf Muttersprachenniveau unterhalten konnte. Schüler, die bereits ein Hochschulstudium angefangen aber wieder abgebrochen haben, sitzen teilweise Seite an Seite mit Hauptschülern oder Schülern, die ein VAB absolviert hatten. Diese Vielfalt zusammen zu unterrichten ist eine Kunst an sich und sehr spannend.

    Hattest du viele schwierige Schüler?

    Die Frage ist schwer zu beantworten. Ich hatte schwierige Schüler, die an einem anderen Tag wieder ganz anders reagiert haben. Das liegt daran, dass die Schüler nicht schwierig sind, sondern menschlich. Jeder schleppt seine eigenen Probleme rum und mancher ist mehr darauf geprägt, dass Lehrer böse sind als andere. Es gab einige Schüler, denen man nahezu ablesen konnte, dass sie in der Ausbildung oder dem Unterricht keinen Sinn sahen und andere, die sich abmühten, aber Angst hatten, es nicht zu schaffen. Solche Emotionen sind an der beruflichen Schule häufiger anzutreffen als an allgemeinbildenden Schulen. Dort ist mehr Pädagogik und Ermutigung gefragt.

    Jetzt seid ihr dran!

    So, das waren erst einmal die wichtigsten Fragen. Habt ihr noch mehr für mich? Wollt ihr mehr über die berufliche Schule und das Praxissemester wissen? Dann schreibt mir einfach eure Fragen in die Kommentare 🙂 Fragen, die kurz zu beantworten sind, beantworte ich dort, längere bekommen wieder einen eigenen Post. Keine Sorge, ich werde bald auch einige Stunden vorstellen, die ich gehalten habe, und meine Erfahrungen mit verschiedenen Methoden teilen 🙂

    Neuer Tag: Schulpraxissemester

    Letztes Semester war ich in der Praxis. 13 Wochen habe ich an einer beruflichen Schule verbracht: Unterricht beobachtet, Unterricht mit vorbereitet und selbst unterrichtet. Die Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe, haben mich in meiner Entscheidung, Lehrerin zu werden, nur bestätigt. natürlich war nicht immer alles rosig. Es galt Hürden zu nehmen und einiges Zurückzustecken.

    Da das Semester lang und die Erfahrungen umso vielfältiger waren, würde ein einzelner Post diesen nicht gerecht werden. Daher werde ich neben meinen anderen Erlebnissen immer wieder über mein Schulpraxissemester berichten. Ihr findet alle Posts dazu unter dem Tag (Schulpraxissemester). Schaut einfach rein, es kommen immer neue Geschichten dazu. 🙂

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