Archiv der Kategorie: Aus dem Leben

Leseprojekt

Da mich meine Fünftklässler-Fördergruppe seit Wochen anbettelt, dass wir „richtige Bücher“ lesen sollen, habe ich für sie ein Leseprojekt auf die Beine gestellt. Das Konzept will ich euch gerne vorstellen. Vielleicht findet ihr einige Methoden, die euch selbst weiterhelfen können oder habt Anregungen für mich, was ich noch einbringen könnte. 🙂

Kurz zu meiner Gruppe:
Im Rahmen eines städtischen Förderprojektes unterrichte ich eine Gruppe aus 7 Fünftklässlern einer Realschule in einem Brennpunktgebiet. Es geht darum, die allgemeine Lesekompetenz zu erhöhen. Bislang habe ich mit ihnen Sachtexte und Kurzgeschichten gelesen und Techniken beigebracht, wie diese zu „knacken“ sind.

Der Hintergrund des Projektes: Ursprünglich sollte der Kurs mit den Pfingstferien enden. Da die SuS aber gerne weitermachen und gerne die Zeit für ganze Bücher haben wollten, konnte ich die Stadt überzeugen, den Kurs zu verlängern. Damit wir aber nicht nur Bücher lesen und sie in klassischen Buchvorstellungen präsentieren, habe ich mir ein kreativeres und anspruchsvolleres Konzept ausgedacht.

Ziele des Leseprojektes:

  • Die SuS lernen, Texte selbstständig zu erschließen und wichtige Informationen herauszuziehen
  • Die SuS sollen lernen, Inhalte von Texten strukturiert aufzubereiten. Damit werden alle Kompetenzbereiche berührt: Lesen, Schreiben, freies Sprechen und Medienkompetenz.
  • Die SuS lernen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und diese auch zu begründen / ggf. zu verteidigen.
  • Neben all diesen Kompetenzen sollen die SuS auch lernen, was Lesefreude bedeutet. Bücher und Texte sollen für Schüler positiv belegt sein und nicht als Strafe angesehen werden.

Das Projekt läuft noch bis Ende des Schuljahres mit einer Doppelstunde wöchentlich. Ich habe mir dazu dieses Konzept überlegt.

Schritt 1: Die SuS wählen individuell ein Buch aus, das sie gerne lesen möchten.

Schritt 2: Die SuS stellen ihr Buch in einem 3-minütigen Vortrag der Klasse vor. Sie erhalten dazu eine Struktur, an der sie sich orientieren können. Die Mitschüler geben mithilfe eines Kompetenzrasters Rückmeldung zu der Rede.

Schritt 3: Die SuS legen eine Lesekiste an. Das ist eine Box (Ich nehme alte Schuhkartons), in die sie im Laufe des Projektes Gegenstände und andere Materialien hineinlegen (mindestens 4 Dinge), die für sie mit ihrer Geschichte zu tun haben.

Schritt 4: Die SuS erstellen alleine oder im Zweier-Team eine kreative Buchvorstellung. Sie entscheiden selbstständig, ob sie dafür ein Bild malen, ein Gedicht schreiben, eine Szene vorspielen oder einen Comic zeichnen möchten. Wichtig ist, dass jeder, der das Buch nicht gelesen hat, versteht, worum es geht, also den „roten Faden“ des Buches nachvollziehen kann.

Schritt 5: Am Ende werden die kreativen Buchvorstellungen präsentiert (Natürlich wieder mit strukturiertem Feedback von Seiten der Mitschüler). Die Lesekisten werden dann ohne Beschriftung in Form einer Gallerie ausgestellt. Die SuS müssen dann erraten, welche Kiste zu welcher Geschichte gehört.

Ich bin gespannt, wie die Schüler darauf reagieren werden. Ich habe bereits eine Einstiegsstunde gehalten. Die SuS sollten durch eine Szene, ein Bild oder ein Gedicht ihre Erlebnisse aus den Pfingstferien vorstellen. Das hat ihnen so viel Spaß gemacht, dass sie tatsächlich auf ihre Pause verzichtet haben. Daher freue ich mich schon auf den Rest des Schuljahres.

Bis demnächst und wie immer, cheerio 🙂

forschungsorientiertes Lernen

Dieses Semester arbeite ich an einem ganz besonderem Projekt. Zusammen mit einer Projektpartnerin versuchen wir für eine Schule das Thema „forschungsorientiertes Lernen“ aufzubereiten.

Die Schule stellt gerade von einer Hauptschule auf eine Gesamtschule um und möchte die Schüler selbstreguliert und individuell unterrichten. Das neue Schulkonzept startet im nächsten Schuljahr. Es wurden Lernbüros eingerichtet, in denen die SuS regelmäßig zu festen Zeiten an ihren Lernjobs arbeiten. Die Schule schafft die Klingel ab und taktet die Schulstunden in 65-Minuten-Einheiten, die aber von den Lehrern je nach Situation verkürzt oder verlängert werden können. Zudem werden nachmittags Lern-Werkstätte angeboten, in denen die SuS an eigenen Projekten arbeiten können.

Zusätzlich soll von Mai 2016 bis Juli 2016 die erste Forschungsphase beginnen. Sprich: Die SuS sollen nach dem Modell des inquiry-based learning eigene Projekte bearbeiten.

Das beinhaltet sehr viele methodische Kompetenzen, sowohl von Seiten der Schüler, insbesondere aber von Seiten der Lehrer. Hier kommen wir Studenten ins Spiel. Im Rahmen eines Blockseminars dürfen wir die Schule unterstützen, indem wir versuchen auf die vielen Fragen, die in Kollegium und Schulleitung entstehen, praktische Antworten zu finden. Super spannend!

Was ist forschungsorientiertes Lernen (inquiry-based learning)?

Mit inquiry-based learning lernen die SuS nicht durch klassischen Unterricht, sondern durch eigenständige Projektarbeit. Es werden methodische Kompetenzen für Zeitplanung, Recherche, Umsetzung, Präsentation und fachliche Inhalte ausgebildet. Es ist mehr als die spaßige Projektarbeit am Ende eines Schuljahres, sondern ein eigenständiger, effektiver Lernweg. Allerdings wird diese Art des Lernens in Deutschland wenig praktiziert. Vor allem englischsprachige Länder wie Kanada und Australien haben diese Art des Lernens fest in ihrem Curriculum.

An sich klingt es einfach: Die SuS suchen sich eigenständig eine Forschungsfrage, die sie beantworten möchten. Sie arbeiten sich in das Thema ein, beantworten ihre Fragen und präsentieren die Ergebnisse. Doch methodisch ist dies ein sehr hoher Aufwand, für Lehrer und für Schüler. Denn an deutschen Schulen wird in der Regel nicht forschend, sondern inhaltlich gelernt. Schüler sind es gewohnt, Inhalte zu bekommen, die sie wiedergeben sollen und Projekte nur in Absprache mit dem Lehrer durchzuführen. Eignständiges Arbeiten wird nicht gefördert, obwohl es später in der Arbeitswelt gefordert wird. Neben den beruflichen Vorteilen ist es um einiges einprägsamer und leichter für Schüler eigenständig nach Antworten auf die eigenen Fragen zu finden. Es geht im wahrsten Sinne des Wortes um Handlungskompetenzen, die so dringend im neuen Bildungsplan von den Schülern gefordert werden.

Daher freue ich mich schon, nach Lösungen für die Schule zu suchen. Denn es scheint mir der beste Ansatz, um die Schüler auf das Leben vorzubereiten UND ihnen nicht die Freude am Lernen zu nehmen, sondern ihren eigenen Weg durch den Wissensdschungel unserer Zeit zu finden.

Ich poste über neue Ergebnisse, die ich herausfinde und vielleicht auch, wie diese an der Schule umgesetzt wurden, da bereits in Aussicht steht, unsere erarbeiteten Konzepte im nächsten Schuljahr mit umzusetzen.

Falls ihr Fragen oder vielleicht sogar schon selbst mit inquiry-based learning in Kontakt gekommen seid, schreibt es mir einfach in die Kommentare.

And as always, cheerio 🙂

Fragen zum Schulpraxissemester

Ich wurde von vielen Seiten schon gefragt, wie das Schulpraxissemester so war, warum ich es an einer beruflichen Schule absolviert habe, wie schnell ich einen Platz bekommen habe und so weiter. Deshalb möchte ich hier einige dieser Fragen beantworten. 🙂

Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren?

Es klingt immer so schön einfach: „Dann bewerbt ihr euch für das Schulpraxissemester. Einfach ein halbes Jahr vorher auf die offizielle Webseite gehen, eine Schule anklicken und fertig.“ So in etwa hatte ich es mir zusammengelesen. Die Sache hat allerdings einen Haken: Ihr dürft euch nur bei einer Schule bewerben und warten, ob ihr angenommen oder abgelehnt werdet. Erst wenn ihr die Nachricht bekommt, dass ihr abgelehnt wurdet, dürft ihr euch weiterbewerben. *mist*

Die Mathematiker, Physiker, Musiker und co. unter uns haben es da leicht. Allerdings wird es bei Nicht-Mangelfächern wie Deutsch/Englisch zu einem Problem. Zwar habe ich angegeben, dass ich auch Latein dazunehmen möchte. Da ich es aber noch nicht als Erweiterungsfach belegt hatte, sondern erst im Semester darauf beginnen wollte, hat das niemanden geschert. 🙂

Die Bewerbung bietet allerdings, finde ich, schon mal einen guten Einblick in die späteren Berufschancen. Ich hatte mich bei etwa 10 verschiedenen Schulen beworben, bis ich dann endlich genommen wurde. Es kommt also viel auf eure Fächerkombination und euer Durchhaltevermögen an 🙂 Meine erste Bewerbung an eine berufliche Schule wurde sofort akzeptiert. Das entspricht auch später den Einstellungschancen. An beruflichen Schulen herrscht tatsächlich Lehrermangel im allgemeinbildenden Bereich.

Warum berufliche Schule?

Ich wurde während des Semester oft gefragt, ob ich mir die berufliche Schule für das Schulpraxissemester bewusst ausgesucht hatte, oder einfach nirgendwo anders genommen wurde. Die (eigentlich nicht so) traurige Wahrheit ist, dass ich tatsächlich nichts anderes gefunden hatte. Das hatte ich das bereits erwartet.

Als ich angenommen wurde, war ich erst skeptisch. Berufliche Schule bedeutete für mich Azubis (noch dazu aus Bereichen wie Elektrotechnik, IT und Mechatronik), unmotivierte Schüler im spätpubertierenden Alter und Fachwissen, das ich nicht liefern kann. Mann, lag ich falsch. Ich war nach diesem Semester so von der Vielfalt der Schüler aber auch der Themen eingenommen, dass ich für mich entschieden habe: Ich will Lehrerin an der beruflichen Schule werden!

Zuerst ist es wichtig zu wissen, dass berufliche Schule und Berufsschule zwei Paar Schuhe sind. Die Berufsschule ist lediglich eine Schulform, die an beruflichen Schulen angeboten wird. Daneben gibt es

  • 2-jähriges Berufskolleg
    2 Jahre Vollzeitunterricht für die Fachhochschulreife
  • 3-jähriges Berufskolleg
    Zusätzlicher Unterricht neben der Ausbildung, um mit Ausbildung und Fachholschulreife abzuschließen *hart*
  • Berufsfachschule
    1-2 Jahre Vollzeitunterricht mit Praxisphasen für die mittlere Reife
  • Berufsvorbereitendes Jahr (BVJ)
    Schüler, die sonst weniger Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben, können in einem Jahr ihre Chancen steigern. Meist senden Ausbildungsbetriebe ihre potentiellen Azubis als eine Art Test in ein BVJ
  • Vorqualifizierung Arbeit/Beruf (VAB)
    Das VAB ist dem BVJ sehr ähnlich, allerdings werden hier vorrangig Schüler gänzlich ohne Abschluss aufgenommen. Die SuS können neben der Berufsqualifizierung auch einen Abschluss erwerben, der dem Hauptschulabschluss gleichgestellt ist.
  • Meisterschule
    Erklärt sich von selbst.
  • Weiterbildungskurse
    dito 🙂
  • Das bedeutet, ich hatte mit sehr vielen unterschiedlichen Arten von Schülern zu tun. Heterogenität ist ein prägendes Merkmal der beruflichen Schule. Damit meine ich nicht nur die Heterogenität der unterschiedlichen Schulformen. Ich meine, dass ich sehr starke Schüler und sehr leistungsschwache Schüler in einer Klasse hatte.

    Nun werden viele denken: Das ist doch immer so. Allerdings geht es dabei nicht um diejenigen, die in Klasse fünf weniger aufgepasst haben als die anderen. Es geht um Lebensläufe, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In einer Klasse hatte ich beispielsweise Schüler sitzen, die keinen gerade Satz in Deutsch – geschweige denn in Englisch – sprechen konnten, und gleichzeitig solche, mit denen ich mich in Englisch nahezu auf Muttersprachenniveau unterhalten konnte. Schüler, die bereits ein Hochschulstudium angefangen aber wieder abgebrochen haben, sitzen teilweise Seite an Seite mit Hauptschülern oder Schülern, die ein VAB absolviert hatten. Diese Vielfalt zusammen zu unterrichten ist eine Kunst an sich und sehr spannend.

    Hattest du viele schwierige Schüler?

    Die Frage ist schwer zu beantworten. Ich hatte schwierige Schüler, die an einem anderen Tag wieder ganz anders reagiert haben. Das liegt daran, dass die Schüler nicht schwierig sind, sondern menschlich. Jeder schleppt seine eigenen Probleme rum und mancher ist mehr darauf geprägt, dass Lehrer böse sind als andere. Es gab einige Schüler, denen man nahezu ablesen konnte, dass sie in der Ausbildung oder dem Unterricht keinen Sinn sahen und andere, die sich abmühten, aber Angst hatten, es nicht zu schaffen. Solche Emotionen sind an der beruflichen Schule häufiger anzutreffen als an allgemeinbildenden Schulen. Dort ist mehr Pädagogik und Ermutigung gefragt.

    Jetzt seid ihr dran!

    So, das waren erst einmal die wichtigsten Fragen. Habt ihr noch mehr für mich? Wollt ihr mehr über die berufliche Schule und das Praxissemester wissen? Dann schreibt mir einfach eure Fragen in die Kommentare 🙂 Fragen, die kurz zu beantworten sind, beantworte ich dort, längere bekommen wieder einen eigenen Post. Keine Sorge, ich werde bald auch einige Stunden vorstellen, die ich gehalten habe, und meine Erfahrungen mit verschiedenen Methoden teilen 🙂

    Neuer Tag: Schulpraxissemester

    Letztes Semester war ich in der Praxis. 13 Wochen habe ich an einer beruflichen Schule verbracht: Unterricht beobachtet, Unterricht mit vorbereitet und selbst unterrichtet. Die Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe, haben mich in meiner Entscheidung, Lehrerin zu werden, nur bestätigt. natürlich war nicht immer alles rosig. Es galt Hürden zu nehmen und einiges Zurückzustecken.

    Da das Semester lang und die Erfahrungen umso vielfältiger waren, würde ein einzelner Post diesen nicht gerecht werden. Daher werde ich neben meinen anderen Erlebnissen immer wieder über mein Schulpraxissemester berichten. Ihr findet alle Posts dazu unter dem Tag (Schulpraxissemester). Schaut einfach rein, es kommen immer neue Geschichten dazu. 🙂

    I’m back!

    Hallo ihr Lieben!

    Nun habe ich schon lange nichts mehr geschrieben (Asche über mein Haupt). Das Schulpraxissemester hat mich doch mehr eingenommen, als ich zuerst gedacht hatte. Vor allem, da ich täglich vier Stunden mit Pendeln beschäftigt war und gleichzeitig meinen Nebenjob hatte.

    Nun habe ich aber wieder Zeit und Muße, weiterzuschreiben. Denn: Schulpraxissemester ist rum und bestanden (Yay!), ich bin umgezogen (Doppel-Yay!) und habe meinen zeitfressenden und eintragslosen Nebenjob aufgegeben.

    Ich gelobe also Besserung. Vielen Dank an alle, die mir durch die Durstrecke hindurch treu geblieben sind und mir ermunternde Kommentare hinterlassen haben.

    Bald lest ihr wieder mehr meiner Erlebnisse und Erfahrungen auf dem Weg zur Lehrerin.

    Stay tuned und bis dahin,

    Cheerio 🙂

    Ab in die Praxis

    Der Startschuss ist gefallen, ab jetzt wird es praktisch. In dieser Woche hat die Schule in Baden-Württemberg wieder begonnen und damit auch mein Schulpraxissemester. 13 Wochen lang werde ich an einer beruflichen Schule hospitieren und selbst Unterricht geben.

    Willkommen im Arbeitsraum Schule

    Vor dem offizillen Schulbeginn am Mittwoch fanden Montag und Dienstag zuerst die Einführungstage, also noch kein fachlicher Unterricht, statt. Die neuen Schüler wurden an der Schule begrüßt und die Schule sowie der Stundenplan vorgestellt.

    Als ich vergangene Woche die Schule vorab besuchte, lernte ich meine Ausbildungslehrerin kennen und durfte bereits Teil eines Lehrerteams werden. Gemeinsam mit zwei weiteren Lehrern und einem Referendar organisierten wir für eine Klasse das Programm der Einführungstage. Wir begrüßten die Schüler, organisierten Kennenlernspiele, eine Hausralley sowie einen gemeinsamen Nachmittagsausflug. Die Klasse besteht aus 18 Schülern der Berufsschule, sie sind Auszubildende in der Geräte- und Systemtechnik. Allerdings bleibe ich nicht bei dieser Klasse. In den kommenden 3 Monaten werde ich viele Klassen, Schularten und Lehrertypen kennenlernen.

    Das ist der Vorteil einer beruflichen Schule. Allein an meiner Ausbildungsschule gibt es 6 verschiedene Schularten – von Berufsschule über Berufskolleg bis hin zur Meisterschule.

    Meine ersten Lektionen

    Bei den Einführungstagen hatte ich mit der Klasse ein kleines Aufwärmspiel probiert und dabei gleich eine pädagogische Lektion gelernt. Ich wollte mit den 17 Jungs und einem Mädchen (übliche Geschlechterverteilung im technischen Bereich) einen gordischen Knoten bilden. Bei diesem Spiel gehen alle Teilnehmer dicht aneinander, sodass kein Platz mehr zwischen ihnen ist. Dann werden die Arme ausgestreckt und jeweils die Hand eines Anderen geschnappt. So verknotet, muss sich die Gruppe selbst befreien und einen Kreis bilden, ohne die Hände zu lösen. Das erfordert Kooperation, logisches Denken und ein bisschen gegenseitiges Vertrauen.

    Ich hatte dieses Spiel in meinem MPK-Kurs kennengelernt und in unserer Gruppe aus Studenten hatte es super geklappt. Ich musste feststellen, dass 16-21 jährige Jungs da anders ticken. Es herrschten große Berührungsängste, kaum jemand wollte dicht an dicht stehen, geschweigedenn die Hand von jemandem ergreifen. Wobei sich die Über-20-Jährigen wesentlich leichter taten als ihre jüngeren Kollegen. Ergo: Dieses Spiel schien in der Theorie passend für die logisch denkenden Techniker, war aber ungeeignet für die Altersgruppe. Ich hatte anschließend Kommentare herausgehört wie „Willkommen in der Grundschule“ und „kindisch“. Also: gemerkt fürs nachste Mal 🙂

    Erste Hospitationen

    Mittwoch und Donnerstag konnte ich bereits Einblicke in den Lehrerberuf gewinnen. Sechs Hospitationsstunden habe ich bereits absolviert und dabei unterschiedliche Lehrertypen und Klassen kennengelernt. Ich bin gespannt auf die vielen Eindrücke, die noch kommen werden.

    Vor allem freue ich mich darauf, Erfahrungen mit so vielen unterschiedlichen Schülern zu machen. Anders als im allgemeinbildenden Gymnasium, haben Schüler der beruflichen Schule die unterschiedlichsten Lebensläufe. Allein in einer Berufsschulklasse sind Schüler mit Hauptschul-, Realschulabschluss, Abitur oder ohne Schulabschluss zu finden. Zwar war die berufliche Schule nicht mein erster Wunsch für das Schulpraxissemester, aber ich bereue es nicht und bin jetzt schon begeistert.

    Natürlich halte ich euch auf dem Laufenden und bis dahin,

    cheerio 🙂

    Ich studiere nicht, ich mache bunt!

    Den Vorwurf, dass Frauen ja gar nicht studierten, sondern nur Dinge bunt malten, höre ich oft. Warum wohl? 🙂

    Bunte Studienunterlagen helfen, große Projekte wie eine Hausarbeit zu organisieren.

    Das sind meine Unterlagen für einen Essay in der Anglistik.

    Neil Gaiman's Neverwhere habe ich bunt verklebt, dadurch finde ich die wichtigsten Passagen für meinen Essay sofort wieder.

    Ich schreibe über Neil Gaiman’s Neverwhere.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Aber das Bunt-Malen hat seinen Sinn. Jeder hat seine eigene Taktik, seine Unterlagen zu sortieren und wichtige Notizen zu machen. Manchmal hilft es, sich anzuhören, wie andere Leute an diese Aufgabe herangehen. So kann man die eigenen Techniken überdenken und eventuell Methoden entdecken, die dem eigenen Workflow besser entsprechen und dadurch helfen, effizienter Hausarbeiten oder andere Texte zu schreiben.

    Im Kurs Fundamentals of Research and Writing (Grundlagen des wissenschaftlichen Schreibens) am Anglistischen Institut wurden uns einige hilfreiche Techniken vorgestellt. So hatte ich festgestellt, dass ich meine eigene Technik noch ein bisschen verbessern konnte.

    Es gibt viele Möglichkeiten, sich Informationen zu notieren und für die spätere Verwendung zu sortieren.

    • Notizen im Text (Sekundär- oder Primärtext)
    • Wichtige Passagen markieren
    • Notizen auf einem separaten Blatt
    • Notizen im Computer abtippen
    • Notizen auf Karteikarten schreiben
    • Mindmaps zeichnen
    • Cluster entwickeln
    • Schemata zeichen

    So bearbeite ich Texte, um die Informationen später nutzen zu können:

    1. Lesen und systematisch markieren

    Das funktioniert am besten bei Sekundärliteratur, da diese meist bereits so aufbereitet wurde, um wichtige Informationen möglichst gut zu vermitteln.

    • Das Thema des Abschnitts erhält eine eigene Farbe (das präsentiert sich meist als Überschrift oder in wenig untergliederten Texten als Stichwort im Fließtext)
    • Wichtige Termini erhalten eine andere Farbe
    • Definitionen und wichtige Informationen zum Thema eine dritte Farbe

    Wichtig: Spontane Gedanken zum Text werden am Rand notiert, damit sie nicht verloren gehen. In Schritt 2 werden diese dann außerhalb des Textes notiert

    2. Markierte Passagen herausschreiben

    Wer gut systematisch markiert hat, hat bereits im Text eine gute Üersicht über den grundlegenden Aufbau. Nun müssen nur noch die Informationen herausgeschrieben werden, die für die eigene Verwendung nützlich sind.
    Wichtig: Immer die Seitenzahl dazu notieren. Das spart später Zeit beim Schreiben, da nicht mehr jede Passage nachgeschlagen werden muss.

    3. Den Aufbau des eigenen Textes planen und die gewonnenen Informationen einordnen

    Sind alle Informationen gesammelt, kommt der spannende Teil. Jetzt wird verarbeitet und geordnet. Früher habe ich die grobe Anordnung meiner Argumente als Inhaltsverzeichnis notiert. Die einzelnen Punkte und Unterpunkte sind dadurch bereits nummeriert. So können die Unterlagen nach diesen Punkten durchgegangen und ebenfalls nummeriert werden. Das ergibt eine Übersicht, welche Argumente zu welchen Punkten gehören.

    Dank des Fundamentals-Kurses habe ich diesmal eine andere Technik ausprobiert, die meine Arbeitsweise sogar verbessert.


    Meine neue Technik für Hausarbeiten
    Mit meinen bunten Karteikarten kann ich meine Informationen strukturieren.

    Nachdem ich meine Notizen gemacht habe, schreibe ich meine Argumente auf Karteikarten und sortiere sie entsprechend der geplanten Punkte.

    • Grüne Karteikarten beschreiben die Fragestellung, die ich versuche zu beantworten
    • Orangene Karteikarten bennennen ein Argument in Form eines Aussagesatzes.
    • Gelbe Karteikarten beinhalten ein Beispiel oder ein Zitat, das dieses Argument unterstützt sowie eine kurze Erläuterung des Beispieles.
    • Weiße Karteikarten beinhalten eine Schlussfolgerung oder allgemeine Aussagen.

    Das ist natürlich ein höherer Aufwand als bei meiner früheren Herangehensweise. Warum betreibe ich diesen hohen Aufwand, um letztlich das gleiche Ergebnis, nämlich einen Text, zu erhalten? Dies lässt sich in drei Punkten beantworten.

    1. Durch die Farbgebung erhalte ich nach dem Sortieren direkt den Überblick, wie viele Argumente und Beispiele ich pro Fragestellung bereits habe. Sind die Informationen auf mehreren Notizblättern verteilt, sind diese nicht auf einen Blick geordnet und die Anzahl der Argumente und Beispiele ist nicht sofort ersichtlich. Dadurch geht beim Schreiben viel Zeit durch mehrfaches Nachschlagen verloren. Auf einem großen Tisch sortiert liefern mir die Karteikarten sofort einen Überblick über meine Textstruktur. Das spart deutlich Zeit beim Schreiben.

    2. Der Text kann durch Verschiebung der Karteikarten optimiert werden. Sind die Informationen auf einem Blatt, können sie dort nicht verschoben oder neu geordnet werden. Die Karteikarten kann ich anordnen und verschieben, falls mir eine andere Reihenfolge oder eine andere Textstruktur besser gefällt. Dadurch kann ich mir den Text nahezu vollständig zusammenlegen und habe dann einen klaren Schreibplan, dem ich nur noch folgen muss. Dadurch halte ich den eigenen roten Faden stets vor Augen und die Argumentation bleibt kohärent.

    3. Die Karten helfen, die Informationen in wenigen Worten präzise zu formulieren. Da die Karteikarten nicht unendlich groß sind, limitieren sie die Menge an Informationen, die darauf notiert werden können. Das zwingt zu kurzen aber klaren Formulierungen und verhindert, dass unwesentliche Informationen in den Text einfließen. Dadurch bleibt die Argumentationsstruktur für den Leser klar ersichtlich und der Text verständlich.

    Welche Technik zur Texterstellung ihr nutzt, liegt natürlich ganz an euch. Jeder hat seine eigenen Methoden und kommt mit diesen meist besser zurecht als jemand anderes. Es hilft allerdings, über die eigene Vorgehensweise zu reflektieren, um herauszufinden, ob eine andere Methode für einen selbst effektiver ist.

    Allen, die auch gerade an Hausarbeiten sitzen, wünsche ich viel Erfolg 🙂

    Bis dahin,
    cheerio 🙂

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