Ab in die Praxis

Der Startschuss ist gefallen, ab jetzt wird es praktisch. In dieser Woche hat die Schule in Baden-Württemberg wieder begonnen und damit auch mein Schulpraxissemester. 13 Wochen lang werde ich an einer beruflichen Schule hospitieren und selbst Unterricht geben.

Willkommen im Arbeitsraum Schule

Vor dem offizillen Schulbeginn am Mittwoch fanden Montag und Dienstag zuerst die Einführungstage, also noch kein fachlicher Unterricht, statt. Die neuen Schüler wurden an der Schule begrüßt und die Schule sowie der Stundenplan vorgestellt.

Als ich vergangene Woche die Schule vorab besuchte, lernte ich meine Ausbildungslehrerin kennen und durfte bereits Teil eines Lehrerteams werden. Gemeinsam mit zwei weiteren Lehrern und einem Referendar organisierten wir für eine Klasse das Programm der Einführungstage. Wir begrüßten die Schüler, organisierten Kennenlernspiele, eine Hausralley sowie einen gemeinsamen Nachmittagsausflug. Die Klasse besteht aus 18 Schülern der Berufsschule, sie sind Auszubildende in der Geräte- und Systemtechnik. Allerdings bleibe ich nicht bei dieser Klasse. In den kommenden 3 Monaten werde ich viele Klassen, Schularten und Lehrertypen kennenlernen.

Das ist der Vorteil einer beruflichen Schule. Allein an meiner Ausbildungsschule gibt es 6 verschiedene Schularten – von Berufsschule über Berufskolleg bis hin zur Meisterschule.

Meine ersten Lektionen

Bei den Einführungstagen hatte ich mit der Klasse ein kleines Aufwärmspiel probiert und dabei gleich eine pädagogische Lektion gelernt. Ich wollte mit den 17 Jungs und einem Mädchen (übliche Geschlechterverteilung im technischen Bereich) einen gordischen Knoten bilden. Bei diesem Spiel gehen alle Teilnehmer dicht aneinander, sodass kein Platz mehr zwischen ihnen ist. Dann werden die Arme ausgestreckt und jeweils die Hand eines Anderen geschnappt. So verknotet, muss sich die Gruppe selbst befreien und einen Kreis bilden, ohne die Hände zu lösen. Das erfordert Kooperation, logisches Denken und ein bisschen gegenseitiges Vertrauen.

Ich hatte dieses Spiel in meinem MPK-Kurs kennengelernt und in unserer Gruppe aus Studenten hatte es super geklappt. Ich musste feststellen, dass 16-21 jährige Jungs da anders ticken. Es herrschten große Berührungsängste, kaum jemand wollte dicht an dicht stehen, geschweigedenn die Hand von jemandem ergreifen. Wobei sich die Über-20-Jährigen wesentlich leichter taten als ihre jüngeren Kollegen. Ergo: Dieses Spiel schien in der Theorie passend für die logisch denkenden Techniker, war aber ungeeignet für die Altersgruppe. Ich hatte anschließend Kommentare herausgehört wie „Willkommen in der Grundschule“ und „kindisch“. Also: gemerkt fürs nachste Mal 🙂

Erste Hospitationen

Mittwoch und Donnerstag konnte ich bereits Einblicke in den Lehrerberuf gewinnen. Sechs Hospitationsstunden habe ich bereits absolviert und dabei unterschiedliche Lehrertypen und Klassen kennengelernt. Ich bin gespannt auf die vielen Eindrücke, die noch kommen werden.

Vor allem freue ich mich darauf, Erfahrungen mit so vielen unterschiedlichen Schülern zu machen. Anders als im allgemeinbildenden Gymnasium, haben Schüler der beruflichen Schule die unterschiedlichsten Lebensläufe. Allein in einer Berufsschulklasse sind Schüler mit Hauptschul-, Realschulabschluss, Abitur oder ohne Schulabschluss zu finden. Zwar war die berufliche Schule nicht mein erster Wunsch für das Schulpraxissemester, aber ich bereue es nicht und bin jetzt schon begeistert.

Natürlich halte ich euch auf dem Laufenden und bis dahin,

cheerio 🙂

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8 Kommentare zu “Ab in die Praxis

  1. tinatainmentia Oktober 5, 2014 um 11:48 Reply

    Oh, viel Spaß im Praxissemester! Ich bin gespannt auf weitere Beiträge dazu, v.a. muss ich dir folgen, weil mich das „Ich hab Kaffee“ überzeugt hat! 😉
    Berufliche Schule, wolltest du das oder hast du kein Gymnasium bekommen? (Blöde Frage, aber bei uns wird das oft als „Ausweg“ genommen, wenn die Gymnasien alle schon weg sind.) Praktisch, denn ich kann dich jetzt fragen: Wie war’s mit der Platzvergabe? Das zentrale Internetseitendingen ist ja echt nervig. Hast du zügig einen Platz gehabt und das auch in deiner Nähe? Hattest du vorher schon irgendwie Kontakt zu der Schule deiner Wahl aufgenommen oder alles rein über diese Internetseite gemacht? Fragen über Fragen, weil ich mir ernsthaft Gedanken mache, kein Gymnasium (ja, ich möchte halt eigentlich echt ans Gymnasium…) in meiner Nähe abzukriegen und hysterisch werde bei dem Gedanken daran, mich dann nach meinem Auslandssemester nochmal irgendwo anders in BaWü einmieten zu müssen… Meine arme Wohnung und ich, wir können nicht länger als 5 Monate ohne einander!
    Liebe Grüße von einer andren Lehramtsstudentin aus BaWü, die ihr Praxissemester aufgrund von finanziellen Nöten um 1 Jährchen nach hinten verschoben hat! 😉

  2. Lehramtsbloggerin März 31, 2015 um 10:45 Reply

    Huhu. Vielen Dank für deinen Kommentar. Bitte entschuldige, dass ich dir erst jetzt antworte. Ich hoffe, dass dir meine Antworten dennoch hilfreich sind.

    Eigentlich wollte ich zuerst ans Gymnasium, hatte allerdings massiv Probleme, dort einen Platz zu bekommen. Ich habe alles über die offizielle Webseite gemacht. In dem System kann man sich allerdings immer nur für eine Schule bewerben und muss warten, ob man angenommen oder abgelehnt wird, um sich eventuell weiterzubewerben. Nervig 😦

    Ich habe nach etwa 10 vergeblichen Versuchen einfach mein Glück an der beruflichen Schule versucht und wurde sofort genommen. 🙂 Am Anfang war ich skeptisch, es hat mir aber sehr gut gefallen. So gut sogar, dass ich inzwischen die berufliche dem Gymnasium vorziehe.

    Welche Fächerkombination hast du denn? Wenn du unbedingt an ein Gymnasium in deiner Nähe möchtest, wäre es ratsam, vorher Kontakt aufzubauen.

    Zu deiner Wohnung, sie vermisst dich bestimmt mindestens genauso, wie du sie 🙂 Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen, dass du etwas in der Nähe findest. 🙂

  3. tinatainmentia April 4, 2015 um 17:24 Reply

    Hey,
    ja, wie das System funktioniert, weiß ich. So ein Scheiß. Vor allem, weil man sich nicht richtig persönlich bewerben kann, weder mit Anschreiben noch, dass die den Lebenslauf/die Noten oder sonst was von einem zu Gesicht bekommen.
    10 Versuche, ohje. Das klingt grausig. Ich habe Deutsch & Englisch, ich weiß, dass das nicht gerade rosig ist. Mhm. Vom Kontakt aufnehmen wurde mir strikt abgeraten, ein paar Freunde von mir hatten das versucht und wurden dann erst Recht nicht genommen, weil die das nicht gerne sehen, dass du versucht, das System zu umgehen und vorher „Einfluss“ zu nehmen.
    Ich möchte eigentlich echt nicht ans berufliche Gymnasium, aber mal sehen, ob mir dann auch nichts anderes übrig bleiben wird. In wenigen Tagen werden wir es wissen, die Anmeldungsphase beginnt ja bald.
    Ja, das glaube ich auch bzgl. der Wohnung… Ich hoffe wirklich, was in der Nähe zu finden, denn ich möchte nicht schon wieder ausziehen, ich komme Ende Juni erst nach Hause.

  4. referendarsblog April 8, 2015 um 00:32 Reply

    Hallo!
    Schöner Blog, ich habe deinen Blog erst vor kurzem gefunden! Hat mich motiviert, auch einen Blog anzufangen, obwohl ich auf dem Gebiet ziemlicher Noob bin!
    Habe mein Praxissemester in BW schon gemacht und kenne das Bewerberchaos. Der „Trick“ ist, sich bei der Erstbewerbung bereits an eine Schule zu wenden, die höchstwahrscheinlich selten gewählt wird. Bei mir war das eine Schule, die räumlich nahe bei meinem Elternhaus liegt, aber nicht zentral ist und auch mit den Öffentlichen eher schlecht zu erreichen ist. Kaum einer hat die Schule gewollt, also wurde ich direkt genommen. 🙂
    Das Praxissemester ist meiner Meinung nach ziemlicher Müll, weil es mit dem Referendariat kaum etwas zu tun hat.

    @tina: In welcher Gegend suchst du? Auch Heidelberg oder ein anderes Seminar?
    @Bloggerin: Konntest du an der beruflichen Schule Latein unterrichten?

    • tinatainmentia April 8, 2015 um 00:44 Reply

      huch, ich glaube, ich war zu doof zum direkten Beantworten. Kommentar ist dann eins weiter drunter. 😀

  5. tinatainmentia April 8, 2015 um 00:44 Reply

    Huhu Referendarsblog, also Seminar Heidelberg wäre schon ziiiiemlich chic, ich hatte ja evtl. auf Schwetzingen abgezielt… Ich kann halt nicht so sehr ins Ländliche, weil ich nicht in der Nähe von HD wohne, aber das dann doch noch das Seminar zu mir wäre, das am Nächsten liegt. Zur Not ginge auch Seminar Karlsruhe, aber puh, das wird schon kritisch mit der Pendelei (verstopfte Autobahn und so, juhu). Hast du da etwa heiße Tipps? 😉 Wäre noch bis Montag dafür dankbar! 😀
    LG, Tina

  6. referendarsblog April 8, 2015 um 00:57 Reply

    Gibt es eine Möglichkeit, wie man eine PN schreiben kann? 😀
    Hätte evtl. tatsächlich einen Tipp, muss aber nicht gerade öffentlich sein…

    • tinatainmentia April 9, 2015 um 20:21 Reply

      Du kannst mir sehr, sehr gerne eine Mail schreiben an tinalise@kaffeeschluerfer.com !!! 🙂 Ich wäre dir sehr dankbar 🙂

      Sorry für die etwas verspätete Antwort, ich bin im Auslandssemester und habe gerade familiären Besuch… 😉

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