Ich studiere nicht, ich mache bunt!

Den Vorwurf, dass Frauen ja gar nicht studierten, sondern nur Dinge bunt malten, höre ich oft. Warum wohl? 🙂

Bunte Studienunterlagen helfen, große Projekte wie eine Hausarbeit zu organisieren.

Das sind meine Unterlagen für einen Essay in der Anglistik.

Neil Gaiman's Neverwhere habe ich bunt verklebt, dadurch finde ich die wichtigsten Passagen für meinen Essay sofort wieder.

Ich schreibe über Neil Gaiman’s Neverwhere.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber das Bunt-Malen hat seinen Sinn. Jeder hat seine eigene Taktik, seine Unterlagen zu sortieren und wichtige Notizen zu machen. Manchmal hilft es, sich anzuhören, wie andere Leute an diese Aufgabe herangehen. So kann man die eigenen Techniken überdenken und eventuell Methoden entdecken, die dem eigenen Workflow besser entsprechen und dadurch helfen, effizienter Hausarbeiten oder andere Texte zu schreiben.

Im Kurs Fundamentals of Research and Writing (Grundlagen des wissenschaftlichen Schreibens) am Anglistischen Institut wurden uns einige hilfreiche Techniken vorgestellt. So hatte ich festgestellt, dass ich meine eigene Technik noch ein bisschen verbessern konnte.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich Informationen zu notieren und für die spätere Verwendung zu sortieren.

  • Notizen im Text (Sekundär- oder Primärtext)
  • Wichtige Passagen markieren
  • Notizen auf einem separaten Blatt
  • Notizen im Computer abtippen
  • Notizen auf Karteikarten schreiben
  • Mindmaps zeichnen
  • Cluster entwickeln
  • Schemata zeichen

So bearbeite ich Texte, um die Informationen später nutzen zu können:

1. Lesen und systematisch markieren

Das funktioniert am besten bei Sekundärliteratur, da diese meist bereits so aufbereitet wurde, um wichtige Informationen möglichst gut zu vermitteln.

  • Das Thema des Abschnitts erhält eine eigene Farbe (das präsentiert sich meist als Überschrift oder in wenig untergliederten Texten als Stichwort im Fließtext)
  • Wichtige Termini erhalten eine andere Farbe
  • Definitionen und wichtige Informationen zum Thema eine dritte Farbe

Wichtig: Spontane Gedanken zum Text werden am Rand notiert, damit sie nicht verloren gehen. In Schritt 2 werden diese dann außerhalb des Textes notiert

2. Markierte Passagen herausschreiben

Wer gut systematisch markiert hat, hat bereits im Text eine gute Üersicht über den grundlegenden Aufbau. Nun müssen nur noch die Informationen herausgeschrieben werden, die für die eigene Verwendung nützlich sind.
Wichtig: Immer die Seitenzahl dazu notieren. Das spart später Zeit beim Schreiben, da nicht mehr jede Passage nachgeschlagen werden muss.

3. Den Aufbau des eigenen Textes planen und die gewonnenen Informationen einordnen

Sind alle Informationen gesammelt, kommt der spannende Teil. Jetzt wird verarbeitet und geordnet. Früher habe ich die grobe Anordnung meiner Argumente als Inhaltsverzeichnis notiert. Die einzelnen Punkte und Unterpunkte sind dadurch bereits nummeriert. So können die Unterlagen nach diesen Punkten durchgegangen und ebenfalls nummeriert werden. Das ergibt eine Übersicht, welche Argumente zu welchen Punkten gehören.

Dank des Fundamentals-Kurses habe ich diesmal eine andere Technik ausprobiert, die meine Arbeitsweise sogar verbessert.


Meine neue Technik für Hausarbeiten
Mit meinen bunten Karteikarten kann ich meine Informationen strukturieren.

Nachdem ich meine Notizen gemacht habe, schreibe ich meine Argumente auf Karteikarten und sortiere sie entsprechend der geplanten Punkte.

  • Grüne Karteikarten beschreiben die Fragestellung, die ich versuche zu beantworten
  • Orangene Karteikarten bennennen ein Argument in Form eines Aussagesatzes.
  • Gelbe Karteikarten beinhalten ein Beispiel oder ein Zitat, das dieses Argument unterstützt sowie eine kurze Erläuterung des Beispieles.
  • Weiße Karteikarten beinhalten eine Schlussfolgerung oder allgemeine Aussagen.

Das ist natürlich ein höherer Aufwand als bei meiner früheren Herangehensweise. Warum betreibe ich diesen hohen Aufwand, um letztlich das gleiche Ergebnis, nämlich einen Text, zu erhalten? Dies lässt sich in drei Punkten beantworten.

1. Durch die Farbgebung erhalte ich nach dem Sortieren direkt den Überblick, wie viele Argumente und Beispiele ich pro Fragestellung bereits habe. Sind die Informationen auf mehreren Notizblättern verteilt, sind diese nicht auf einen Blick geordnet und die Anzahl der Argumente und Beispiele ist nicht sofort ersichtlich. Dadurch geht beim Schreiben viel Zeit durch mehrfaches Nachschlagen verloren. Auf einem großen Tisch sortiert liefern mir die Karteikarten sofort einen Überblick über meine Textstruktur. Das spart deutlich Zeit beim Schreiben.

2. Der Text kann durch Verschiebung der Karteikarten optimiert werden. Sind die Informationen auf einem Blatt, können sie dort nicht verschoben oder neu geordnet werden. Die Karteikarten kann ich anordnen und verschieben, falls mir eine andere Reihenfolge oder eine andere Textstruktur besser gefällt. Dadurch kann ich mir den Text nahezu vollständig zusammenlegen und habe dann einen klaren Schreibplan, dem ich nur noch folgen muss. Dadurch halte ich den eigenen roten Faden stets vor Augen und die Argumentation bleibt kohärent.

3. Die Karten helfen, die Informationen in wenigen Worten präzise zu formulieren. Da die Karteikarten nicht unendlich groß sind, limitieren sie die Menge an Informationen, die darauf notiert werden können. Das zwingt zu kurzen aber klaren Formulierungen und verhindert, dass unwesentliche Informationen in den Text einfließen. Dadurch bleibt die Argumentationsstruktur für den Leser klar ersichtlich und der Text verständlich.

Welche Technik zur Texterstellung ihr nutzt, liegt natürlich ganz an euch. Jeder hat seine eigenen Methoden und kommt mit diesen meist besser zurecht als jemand anderes. Es hilft allerdings, über die eigene Vorgehensweise zu reflektieren, um herauszufinden, ob eine andere Methode für einen selbst effektiver ist.

Allen, die auch gerade an Hausarbeiten sitzen, wünsche ich viel Erfolg 🙂

Bis dahin,
cheerio 🙂

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3 Kommentare zu “Ich studiere nicht, ich mache bunt!

  1. Sumi September 3, 2014 um 16:49 Reply

    Hallo, ich greife schon seit geraumer Zeit auf deinen Blog als Hilfestellung zurück.
    Er hat mich schon sehr oft weitergebracht. Vielen Dank dafür. Ich fange in diesem Oktober ein Lehramtsstudium in den Fächern Englisch und Latein an. Zurzeit bin ich wegen der Kurswahl echt verzweifelt…
    Ich hoffe ich blicke da mal bald durch.
    Liebe Grüße und mach weiter mit dem tollen Blog 🙂

    • Lehramtsbloggerin September 4, 2014 um 11:09 Reply

      Hallo,

      es freut mich, dass dir mein Blog weiterhilft. Viel Vergnügen und Erfolg in deinem Studium 🙂 Darf ich fragen, an welcher Uni du studieren wirst?

      • Sumi September 4, 2014 um 12:59

        Ja klar. Ich fange mein Studium wie du an der Universität Heidelberg an 🙂

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