Was ist Lernen?

Zurzeit beschäftige ich mich viel mit der Frage, was eigentlich lernen ist. Eine einfache Frage, doch sie ist schwerer zu beantworten als man denkt. Ist es das Abrufen von Faktenwissen? Ist das Lernen? Ist es die Aneignung von Kompetenzen, wie sie im Bildungsplan stehen? Was ist, wenn ein Schüler eine Webseite mit HTML schreiben kann, aber die Matheaufgaben nicht hinbekommt? Hat er dann nichts gelernt?

Ich halte unseren Begriff von Lernen für sehr falsch. Denn er ist zu einfach. Viele Menschen in Deutschland glauben, dass Lernerfolge immer durch Faktenwissen überprüfbar sein müssen. Lernen bedeutet dann, möglichst exakt Wissen wiederzugeben. Das halte ich für falsch. Das ist kein Lernen, das ist Büffeln.

Büffeln ist die Hauptkompetenz, auf die die deutsche Schule vorbereitet. Büffeln bedeutet Wissen, das von Außen als wichtig erachtet wird, aufzunehmen und zu einem bestimmten Zeitpunkt wiederzugeben. Diese Kompetenz ist allerdings für die Arbeits- und Lebenswelt der Menschen nicht relevant. Wir stehen im Alltag vor Problemen und Konflikten, die wir lösen müssen. Wir haben Aufgaben, die zu lösen sind und Entscheidungen, die zu treffen sind. Daher ist die Kernkompetenz das Problemlösen und das kritische Entscheiden. Es heißt, die Menschen müssen heute lebenslang weiter lernen. Das heißt aber nicht, Faktenwissen auswendig lernen, sondern neue Wege der Problemlösung finden. Büffeln hat also mit dem lebenslangen Lernen, das von allen Seiten gefordert wird, nichts zu tun. Warum ist es dann in der Schule so wichtig?

Unsere Gesellschaft geht davon aus, dass Erfolge überprüfbar sein müssen. Das ist an sich kein schlechter Gedanke. Denn wenn man nichts überprüft, kann auch keine Verbesserung stattfinden. Prüfungen haben in diesem Rahmen die Aufgabe, den aktuellen Stand zu testen und daraus Verbesserungspotenzial zu ermitteln. Allerdings sind Prüfungen über Faktenwissen für diese Aufgabe nicht geeignet. Sie zeigen lediglich auf, dass jemand dieses exakte Wissen kennt oder eben nicht. Potenzial zur Verbesserung zeigen sie nicht auf, sondern nur Mangel an Wissen. Da die meisten Klassenarbeiten auf Wissen und nicht auf Können ausgerichtet sind, lernen die Schüler auch nicht, sondern Büffeln nur. Junge Menschen, denen Büffeln als Kernkompetenz vermittelt wird, sind dann nicht entscheidungsfreudig, wurde ihnen doch von jeher vorgegeben, was zu lernen ist. Das sind Schüler, die bei mir in der Nachhilfe landen mit der Frage: „Was soll ich da jetzt genau auswendiglernen?“ Es kann nicht Ziel der Schule sein, Menschen zu erziehen, die auf Befehle von Außen warten und ohne Motivation das tun, was ihnen vorgegeben wird. So erschaffen wir unmündige Drohnen und keine entscheidungsfreudigen, kreativen Individuen.

Wie aber werden Schüler, die oft als „lustlos“ oder „faul“ dargestellt werden, zu mündigen, kritischen und interessierten Menschen? Ganz einfach, indem man ihnen Raum zum Lernen gibt. Im Gegensatz zum Büffeln bedeutet Lernen, neues herauszufinden und es für einen selbst nutzbar zu machen. Dadurch wird ein Mensch kompetent. Das ist eine sehr persönliche Sache und kann eigentlich nicht standardisiert stattfinden.Das heißt, ein einzelner Schüler muss selbst feststellen, was ihn motiviert und wofür er etwas lernt. Das ist um Welten aufwendiger und anstrengender für Lehrer und Schüler als reines Faktenwissen zu vermitteln. Denn es geht für Lehrer darum, viele Angebote zu schaffen, die eine Vielzahl unterschiedlicher Präferenzen ansprechen. Es geht darum, die Schüler methodisch zu unterstützen, also ihnen zu zeigen WIE sie etwas Lernen.

Das geht eben nicht durch Vorgabe von Wissen, sondern durch die Anleitung zur Selbstorganisation und die Hinführung zu eigenständigen Entscheidungen. Dabei sind Lernbüros effektiv, denn sie helfen den Schülern, sich selbst zu organisieren und ihre eigenen Lernentscheidungen zu treffen. Projektarbeit wie forschungsorientiertes Lernen oder Lernen durch Kunst hilft den Schülern auf vielen Ebenen, eigene persönliche Entscheidungen zu treffen und sich selbst besser einzuschätzen.

Wenn man nun aber in unserer Gesellschaft (vor allem Eltern) mit diesem Methoden kommt, heißt es: „Die lernen da aber nichts.“ Da spricht der falsche Lernbegriff aus ihnen. Denn es gibt viele Beispiele, wie es funktionieren kann. Schüler, die durch Projektarbeit und selbstreguliertes Lernen unterrichtet werden machen genauso Abitur, wie Schüler, die Faktenwissen gebüffelt haben. Vor allem: Diese Schüler haben dann eher einen Plan, wohin die persönliche Reise gehen soll. Sie können Entscheidungen treffen und kritisch denken.

Daher mein Gedanke: Wenn ein Schüler von der Schule geht und danach nie wieder etwas Lernen möchte, dann hat das Schulsystem etwas entschieden falsch gemacht.

Was haltet ihr davon? Wie definiert ihr Lernen in der Schule? Habt ihr vielleicht schon „alternative“ Lernformen ausprobiert? ich freue mich auf eure Kommentare.

Bis dahin, Cheerio 🙂

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Leseprojekt

Da mich meine Fünftklässler-Fördergruppe seit Wochen anbettelt, dass wir „richtige Bücher“ lesen sollen, habe ich für sie ein Leseprojekt auf die Beine gestellt. Das Konzept will ich euch gerne vorstellen. Vielleicht findet ihr einige Methoden, die euch selbst weiterhelfen können oder habt Anregungen für mich, was ich noch einbringen könnte. 🙂

Kurz zu meiner Gruppe:
Im Rahmen eines städtischen Förderprojektes unterrichte ich eine Gruppe aus 7 Fünftklässlern einer Realschule in einem Brennpunktgebiet. Es geht darum, die allgemeine Lesekompetenz zu erhöhen. Bislang habe ich mit ihnen Sachtexte und Kurzgeschichten gelesen und Techniken beigebracht, wie diese zu „knacken“ sind.

Der Hintergrund des Projektes: Ursprünglich sollte der Kurs mit den Pfingstferien enden. Da die SuS aber gerne weitermachen und gerne die Zeit für ganze Bücher haben wollten, konnte ich die Stadt überzeugen, den Kurs zu verlängern. Damit wir aber nicht nur Bücher lesen und sie in klassischen Buchvorstellungen präsentieren, habe ich mir ein kreativeres und anspruchsvolleres Konzept ausgedacht.

Ziele des Leseprojektes:

  • Die SuS lernen, Texte selbstständig zu erschließen und wichtige Informationen herauszuziehen
  • Die SuS sollen lernen, Inhalte von Texten strukturiert aufzubereiten. Damit werden alle Kompetenzbereiche berührt: Lesen, Schreiben, freies Sprechen und Medienkompetenz.
  • Die SuS lernen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und diese auch zu begründen / ggf. zu verteidigen.
  • Neben all diesen Kompetenzen sollen die SuS auch lernen, was Lesefreude bedeutet. Bücher und Texte sollen für Schüler positiv belegt sein und nicht als Strafe angesehen werden.

Das Projekt läuft noch bis Ende des Schuljahres mit einer Doppelstunde wöchentlich. Ich habe mir dazu dieses Konzept überlegt.

Schritt 1: Die SuS wählen individuell ein Buch aus, das sie gerne lesen möchten.

Schritt 2: Die SuS stellen ihr Buch in einem 3-minütigen Vortrag der Klasse vor. Sie erhalten dazu eine Struktur, an der sie sich orientieren können. Die Mitschüler geben mithilfe eines Kompetenzrasters Rückmeldung zu der Rede.

Schritt 3: Die SuS legen eine Lesekiste an. Das ist eine Box (Ich nehme alte Schuhkartons), in die sie im Laufe des Projektes Gegenstände und andere Materialien hineinlegen (mindestens 4 Dinge), die für sie mit ihrer Geschichte zu tun haben.

Schritt 4: Die SuS erstellen alleine oder im Zweier-Team eine kreative Buchvorstellung. Sie entscheiden selbstständig, ob sie dafür ein Bild malen, ein Gedicht schreiben, eine Szene vorspielen oder einen Comic zeichnen möchten. Wichtig ist, dass jeder, der das Buch nicht gelesen hat, versteht, worum es geht, also den „roten Faden“ des Buches nachvollziehen kann.

Schritt 5: Am Ende werden die kreativen Buchvorstellungen präsentiert (Natürlich wieder mit strukturiertem Feedback von Seiten der Mitschüler). Die Lesekisten werden dann ohne Beschriftung in Form einer Gallerie ausgestellt. Die SuS müssen dann erraten, welche Kiste zu welcher Geschichte gehört.

Ich bin gespannt, wie die Schüler darauf reagieren werden. Ich habe bereits eine Einstiegsstunde gehalten. Die SuS sollten durch eine Szene, ein Bild oder ein Gedicht ihre Erlebnisse aus den Pfingstferien vorstellen. Das hat ihnen so viel Spaß gemacht, dass sie tatsächlich auf ihre Pause verzichtet haben. Daher freue ich mich schon auf den Rest des Schuljahres.

Bis demnächst und wie immer, cheerio 🙂

forschungsorientiertes Lernen

Dieses Semester arbeite ich an einem ganz besonderem Projekt. Zusammen mit einer Projektpartnerin versuchen wir für eine Schule das Thema „forschungsorientiertes Lernen“ aufzubereiten.

Die Schule stellt gerade von einer Hauptschule auf eine Gesamtschule um und möchte die Schüler selbstreguliert und individuell unterrichten. Das neue Schulkonzept startet im nächsten Schuljahr. Es wurden Lernbüros eingerichtet, in denen die SuS regelmäßig zu festen Zeiten an ihren Lernjobs arbeiten. Die Schule schafft die Klingel ab und taktet die Schulstunden in 65-Minuten-Einheiten, die aber von den Lehrern je nach Situation verkürzt oder verlängert werden können. Zudem werden nachmittags Lern-Werkstätte angeboten, in denen die SuS an eigenen Projekten arbeiten können.

Zusätzlich soll von Mai 2016 bis Juli 2016 die erste Forschungsphase beginnen. Sprich: Die SuS sollen nach dem Modell des inquiry-based learning eigene Projekte bearbeiten.

Das beinhaltet sehr viele methodische Kompetenzen, sowohl von Seiten der Schüler, insbesondere aber von Seiten der Lehrer. Hier kommen wir Studenten ins Spiel. Im Rahmen eines Blockseminars dürfen wir die Schule unterstützen, indem wir versuchen auf die vielen Fragen, die in Kollegium und Schulleitung entstehen, praktische Antworten zu finden. Super spannend!

Was ist forschungsorientiertes Lernen (inquiry-based learning)?

Mit inquiry-based learning lernen die SuS nicht durch klassischen Unterricht, sondern durch eigenständige Projektarbeit. Es werden methodische Kompetenzen für Zeitplanung, Recherche, Umsetzung, Präsentation und fachliche Inhalte ausgebildet. Es ist mehr als die spaßige Projektarbeit am Ende eines Schuljahres, sondern ein eigenständiger, effektiver Lernweg. Allerdings wird diese Art des Lernens in Deutschland wenig praktiziert. Vor allem englischsprachige Länder wie Kanada und Australien haben diese Art des Lernens fest in ihrem Curriculum.

An sich klingt es einfach: Die SuS suchen sich eigenständig eine Forschungsfrage, die sie beantworten möchten. Sie arbeiten sich in das Thema ein, beantworten ihre Fragen und präsentieren die Ergebnisse. Doch methodisch ist dies ein sehr hoher Aufwand, für Lehrer und für Schüler. Denn an deutschen Schulen wird in der Regel nicht forschend, sondern inhaltlich gelernt. Schüler sind es gewohnt, Inhalte zu bekommen, die sie wiedergeben sollen und Projekte nur in Absprache mit dem Lehrer durchzuführen. Eignständiges Arbeiten wird nicht gefördert, obwohl es später in der Arbeitswelt gefordert wird. Neben den beruflichen Vorteilen ist es um einiges einprägsamer und leichter für Schüler eigenständig nach Antworten auf die eigenen Fragen zu finden. Es geht im wahrsten Sinne des Wortes um Handlungskompetenzen, die so dringend im neuen Bildungsplan von den Schülern gefordert werden.

Daher freue ich mich schon, nach Lösungen für die Schule zu suchen. Denn es scheint mir der beste Ansatz, um die Schüler auf das Leben vorzubereiten UND ihnen nicht die Freude am Lernen zu nehmen, sondern ihren eigenen Weg durch den Wissensdschungel unserer Zeit zu finden.

Ich poste über neue Ergebnisse, die ich herausfinde und vielleicht auch, wie diese an der Schule umgesetzt wurden, da bereits in Aussicht steht, unsere erarbeiteten Konzepte im nächsten Schuljahr mit umzusetzen.

Falls ihr Fragen oder vielleicht sogar schon selbst mit inquiry-based learning in Kontakt gekommen seid, schreibt es mir einfach in die Kommentare.

And as always, cheerio 🙂

Autschi…

Mist. Jetzt wollte ich so schön Abendessen machen und dann schnibbel ich doch glatt anstatt der Paprika meinen Daumen. Es hilft nichts, also bin ich ab in den ärztlichen Bereitschaftsdienst und habe mich brav verarzten lassen 😥

Und das, Kinder, ist warum ihr immer vorsichtig mit einem Messer umgehen solltet
 

Naja, es ist alles halb so schlimm und in einer Woche sollte ich wieder ohne Verband herumlaufen können. So kann ich wenigstens lehrerhaft einen Fehler in eine Lerngelegenheit umwandeln und morgen meinen Fünftklässlern erklären, warum man beim Gemüseschneiden immer vorsichtig sein sollte 😉

Fragen zum Schulpraxissemester

Ich wurde von vielen Seiten schon gefragt, wie das Schulpraxissemester so war, warum ich es an einer beruflichen Schule absolviert habe, wie schnell ich einen Platz bekommen habe und so weiter. Deshalb möchte ich hier einige dieser Fragen beantworten. 🙂

Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren?

Es klingt immer so schön einfach: „Dann bewerbt ihr euch für das Schulpraxissemester. Einfach ein halbes Jahr vorher auf die offizielle Webseite gehen, eine Schule anklicken und fertig.“ So in etwa hatte ich es mir zusammengelesen. Die Sache hat allerdings einen Haken: Ihr dürft euch nur bei einer Schule bewerben und warten, ob ihr angenommen oder abgelehnt werdet. Erst wenn ihr die Nachricht bekommt, dass ihr abgelehnt wurdet, dürft ihr euch weiterbewerben. *mist*

Die Mathematiker, Physiker, Musiker und co. unter uns haben es da leicht. Allerdings wird es bei Nicht-Mangelfächern wie Deutsch/Englisch zu einem Problem. Zwar habe ich angegeben, dass ich auch Latein dazunehmen möchte. Da ich es aber noch nicht als Erweiterungsfach belegt hatte, sondern erst im Semester darauf beginnen wollte, hat das niemanden geschert. 🙂

Die Bewerbung bietet allerdings, finde ich, schon mal einen guten Einblick in die späteren Berufschancen. Ich hatte mich bei etwa 10 verschiedenen Schulen beworben, bis ich dann endlich genommen wurde. Es kommt also viel auf eure Fächerkombination und euer Durchhaltevermögen an 🙂 Meine erste Bewerbung an eine berufliche Schule wurde sofort akzeptiert. Das entspricht auch später den Einstellungschancen. An beruflichen Schulen herrscht tatsächlich Lehrermangel im allgemeinbildenden Bereich.

Warum berufliche Schule?

Ich wurde während des Semester oft gefragt, ob ich mir die berufliche Schule für das Schulpraxissemester bewusst ausgesucht hatte, oder einfach nirgendwo anders genommen wurde. Die (eigentlich nicht so) traurige Wahrheit ist, dass ich tatsächlich nichts anderes gefunden hatte. Das hatte ich das bereits erwartet.

Als ich angenommen wurde, war ich erst skeptisch. Berufliche Schule bedeutete für mich Azubis (noch dazu aus Bereichen wie Elektrotechnik, IT und Mechatronik), unmotivierte Schüler im spätpubertierenden Alter und Fachwissen, das ich nicht liefern kann. Mann, lag ich falsch. Ich war nach diesem Semester so von der Vielfalt der Schüler aber auch der Themen eingenommen, dass ich für mich entschieden habe: Ich will Lehrerin an der beruflichen Schule werden!

Zuerst ist es wichtig zu wissen, dass berufliche Schule und Berufsschule zwei Paar Schuhe sind. Die Berufsschule ist lediglich eine Schulform, die an beruflichen Schulen angeboten wird. Daneben gibt es

  • 2-jähriges Berufskolleg
    2 Jahre Vollzeitunterricht für die Fachhochschulreife
  • 3-jähriges Berufskolleg
    Zusätzlicher Unterricht neben der Ausbildung, um mit Ausbildung und Fachholschulreife abzuschließen *hart*
  • Berufsfachschule
    1-2 Jahre Vollzeitunterricht mit Praxisphasen für die mittlere Reife
  • Berufsvorbereitendes Jahr (BVJ)
    Schüler, die sonst weniger Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben, können in einem Jahr ihre Chancen steigern. Meist senden Ausbildungsbetriebe ihre potentiellen Azubis als eine Art Test in ein BVJ
  • Vorqualifizierung Arbeit/Beruf (VAB)
    Das VAB ist dem BVJ sehr ähnlich, allerdings werden hier vorrangig Schüler gänzlich ohne Abschluss aufgenommen. Die SuS können neben der Berufsqualifizierung auch einen Abschluss erwerben, der dem Hauptschulabschluss gleichgestellt ist.
  • Meisterschule
    Erklärt sich von selbst.
  • Weiterbildungskurse
    dito 🙂
  • Das bedeutet, ich hatte mit sehr vielen unterschiedlichen Arten von Schülern zu tun. Heterogenität ist ein prägendes Merkmal der beruflichen Schule. Damit meine ich nicht nur die Heterogenität der unterschiedlichen Schulformen. Ich meine, dass ich sehr starke Schüler und sehr leistungsschwache Schüler in einer Klasse hatte.

    Nun werden viele denken: Das ist doch immer so. Allerdings geht es dabei nicht um diejenigen, die in Klasse fünf weniger aufgepasst haben als die anderen. Es geht um Lebensläufe, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In einer Klasse hatte ich beispielsweise Schüler sitzen, die keinen gerade Satz in Deutsch – geschweige denn in Englisch – sprechen konnten, und gleichzeitig solche, mit denen ich mich in Englisch nahezu auf Muttersprachenniveau unterhalten konnte. Schüler, die bereits ein Hochschulstudium angefangen aber wieder abgebrochen haben, sitzen teilweise Seite an Seite mit Hauptschülern oder Schülern, die ein VAB absolviert hatten. Diese Vielfalt zusammen zu unterrichten ist eine Kunst an sich und sehr spannend.

    Hattest du viele schwierige Schüler?

    Die Frage ist schwer zu beantworten. Ich hatte schwierige Schüler, die an einem anderen Tag wieder ganz anders reagiert haben. Das liegt daran, dass die Schüler nicht schwierig sind, sondern menschlich. Jeder schleppt seine eigenen Probleme rum und mancher ist mehr darauf geprägt, dass Lehrer böse sind als andere. Es gab einige Schüler, denen man nahezu ablesen konnte, dass sie in der Ausbildung oder dem Unterricht keinen Sinn sahen und andere, die sich abmühten, aber Angst hatten, es nicht zu schaffen. Solche Emotionen sind an der beruflichen Schule häufiger anzutreffen als an allgemeinbildenden Schulen. Dort ist mehr Pädagogik und Ermutigung gefragt.

    Jetzt seid ihr dran!

    So, das waren erst einmal die wichtigsten Fragen. Habt ihr noch mehr für mich? Wollt ihr mehr über die berufliche Schule und das Praxissemester wissen? Dann schreibt mir einfach eure Fragen in die Kommentare 🙂 Fragen, die kurz zu beantworten sind, beantworte ich dort, längere bekommen wieder einen eigenen Post. Keine Sorge, ich werde bald auch einige Stunden vorstellen, die ich gehalten habe, und meine Erfahrungen mit verschiedenen Methoden teilen 🙂

    Neuer Tag: Schulpraxissemester

    Letztes Semester war ich in der Praxis. 13 Wochen habe ich an einer beruflichen Schule verbracht: Unterricht beobachtet, Unterricht mit vorbereitet und selbst unterrichtet. Die Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe, haben mich in meiner Entscheidung, Lehrerin zu werden, nur bestätigt. natürlich war nicht immer alles rosig. Es galt Hürden zu nehmen und einiges Zurückzustecken.

    Da das Semester lang und die Erfahrungen umso vielfältiger waren, würde ein einzelner Post diesen nicht gerecht werden. Daher werde ich neben meinen anderen Erlebnissen immer wieder über mein Schulpraxissemester berichten. Ihr findet alle Posts dazu unter dem Tag (Schulpraxissemester). Schaut einfach rein, es kommen immer neue Geschichten dazu. 🙂

    I’m back!

    Hallo ihr Lieben!

    Nun habe ich schon lange nichts mehr geschrieben (Asche über mein Haupt). Das Schulpraxissemester hat mich doch mehr eingenommen, als ich zuerst gedacht hatte. Vor allem, da ich täglich vier Stunden mit Pendeln beschäftigt war und gleichzeitig meinen Nebenjob hatte.

    Nun habe ich aber wieder Zeit und Muße, weiterzuschreiben. Denn: Schulpraxissemester ist rum und bestanden (Yay!), ich bin umgezogen (Doppel-Yay!) und habe meinen zeitfressenden und eintragslosen Nebenjob aufgegeben.

    Ich gelobe also Besserung. Vielen Dank an alle, die mir durch die Durstrecke hindurch treu geblieben sind und mir ermunternde Kommentare hinterlassen haben.

    Bald lest ihr wieder mehr meiner Erlebnisse und Erfahrungen auf dem Weg zur Lehrerin.

    Stay tuned und bis dahin,

    Cheerio 🙂

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